sage, was ist da erwacht?

Unter dem Titel „Sage, was ist da erwacht?“ gestalten verschiedene Berner Kulturschaffende ein interdisziplinäres Konzertprojekt, das sich dem Thema der Nacht in Kompositionen der musikalischen Romantik widmet. Neben Felix Mendelssohns selten aufgeführter Kantate Die erste Walpurgisnacht Op.60 (1833) erklingen Robert Schumanns Nachtlied Op. 108 (1849), sowie eigens für das Konzert orchestrierte Kunstlieder aus der Feder Clara Schumanns und Fanny Hensel-Mendelssohns. Abgerundet wird das Programm durch die Faust Ouvertüre Op. 46 (1880), der heute nahezu in Vergessenheit geratenen deutschen Komponistin Emilie Mayer. Zu den mal düster-dramatischen, mal mystisch-poetischen Klängen gesellen sich Videoprojektionen, die einen zeitgenössischen Kommentar zu diesen Werken des 19. Jahrhunderts liefern.

 

„Sage, was ist da erwacht?“ ist ein generationenübergreifendes und Stadt-Land verbindendes Projekt. Musikalisch beteiligen sich der 1874 gegründete Frauenchor Lyss, der Stadtberner Kammerchor Laltracosa, das junge Berner Vokalensemble Suppléments musicaux, das in Bern gegründete Kammerorchester Arte frizzante, das sich aus Musikstudent*innen verschiedener Schweizer Musikhochschulen im deutschsprachigen Raum zusammensetzt, sowie einem jungen Gesangssolist*innen-Ensemble. Alteingesessene Traditionsvereine und junge dynamische Ensembles treffen sich zum musikalischen Austausch und erarbeiten gemeinsam die romantischen Meisterwerke. Auch die Aufführungsorte – die Grosse Halle der Reitschule und die reformierte Kirche in Lyss – reflektieren diese besondere Zusammenarbeit. Der in Bern lebende Design-Artist Carlos Escobar erarbeitet gemeinsam mit dem künstlerischen Leitungsteam, bestehend aus den Dirigenten Joel Zeller und Moritz Achermann sowie Mitgliedern der Chöre ein Raumkonzept für die Grosse Halle der Reitschule und kreiert eine Visualisierung des Konzertprogramms.

Visuelles  Raumkonzept - Grosse Halle Reitschule Bern

Wir bewegen uns zwischen Traum und Wirklichkeit, zwischen Illusion und Rebellion. Die Nacht verdeckt das Verborgene und lässt uns erstmal im Ungewissen. Gewitter, Licht und Schatten, Feuer, Rauch und Sturm kreieren eine mystische Szene. Die zentralen Elemente sind dunkle Vorhänge und weisse Flächen, die den Raum aufteilen und Videoprojektionen ermöglichen. Die Themen aus den Werken von Mendelssohn und Schumann werden aufgenommen; das Zusammenspiel zwischen dem Unterbewussten, Verbotenem, Quellen der Angst und einer befreienden Traumwelt, in der die Inszenierung ein Akt der Befreiung wird. Um Illusion, Rebellion, Bewusstsein und Unterbewusstsein zu illustrieren, wird auf das Symbol des Auges zurückgegriffen. Träume werden visuell erlebt und gleichzeitig hilft uns das Auge, die Illusion des Traumes zu entlarven. Um zu träumen, schliessen wir die Augen, um Illusionen zu erzeugen öffnen wir sie, wie auch unsere weiteren Sinne. Im Laufe der Jahre werden unsere Augen weise, sie werden auch älter, vielleicht werden sie deshalb oft getäuscht. Unsere Augen unterhalten sich, sie werden abgelenkt, sie bleiben im spontanen Lachen eines glücklichen Moments hängen oder im Augenblick eines flüchtigen Funkens. Unsere Fähigkeit, das Licht über die Dunkelheit siegen zu lassen hängt vom Blick ab, mit dem unsere Augen die Welt sehen.

 

Das Gefühl der Rebellion, der Freiheit im Angesicht der Unterdrückung erfüllt uns mit Freude und Leichtigkeit. Das Fest der Walpurgisnacht ist auch ein Fest der Befreiung, der Fruchtbarkeit und der Dankbarkeit für das Leben. Dies wird im zweiten Teil der Inszenierung mit leuchtenden Farben und einem Wechsel in der Atmosphäre dargestellt.

 

Wir sind eingeladen, aufzuwachen, die pulsierende Kraft, die Lebendigkeit und die Stärke unserer Person wahrzunehmen, zu feiern und so zur Erneuerung alles Lebendigem beizutragen. Wir feiern ein Fest der Freude, der Klänge, der Geister und der Sinnlichkeit. So beginnt sich unser inneres Feuer zu entfachen.